Pressespiegel:
Aus den "Jülicher Nachrichten" vom 29. April 2010
Antwort auf die Schulfrage liegt vor Ort - Landtagskandidaten beziehen Position.
Unterschiedliche Meinungen zur Umgestaltung der Bildungslandschaft im Nordkreis.
Basisschule
Eigentlich sei keine Änderung notwendig, urteilte Ingola Schmitz. Der hiesige Bildungsraum sei leistungsstark. Allerdings müsse man eine engere Vernetzung von Schule und Berufswelt anstreben. Basisschule war der Begriff für diese Verzahnung von Hauptschule und Berufskolleg.
„Wir müssen Verbünde zwischen Haupt- und Realschulen nach vorne bringen, bevor wir über Gesamtschule reden“, setzte Josef Wirtz den Pflock der CDU. Die Forderung nach zwei Gesamtschulen für den Nordkreis, halte er für unverantwortlich, meinte Wirtz mit Blick auf seinen Herausforderer von der SPD.
Peter Münstermann konterte bestimmt: „Wir wollen eine Gesamt- oder Gemeinschaftsschule. Wir wollen sie, um die Chancengleichheit aller Schüler zu gewähren.“ Unverblümt meinte er, dass ein Hauptschulabschluss beim Einstieg in den Arbeitsmarkt fast schon ein Handicap sei.
Dass sich die Schullandschaft ändern müsse, war für Jörg Benter Gewissheit. Das Wie und das Was stünden noch in einem offenen Prozess. Allerdings pochten die Grünen darauf, in dieser wichtigen Frage „Eltern, Schüler und Lehrer mit ins Boot“ zu holen.
Ob bei dem zu erwartenden Wandel Schulen geschlossen würden, vermochte nur einer der Podiumsgäste zu bejahen. Ganz eindeutig war Jörg Benters Erwartung. „Wir werden Schulen schließen.“ Daraus müsse aber das Beste für die Kinder gewonnen werden: Schulen mit kleineren Klassen und guter personeller wie finanzieller Ausstattung, die auch etwas weitere Anfahrtswege rechtfertigen. Die Gesamtschule mit ihrer durchlässigen Förderung böte auch den Hauptschülern eine Entwicklungsmöglichkeit.
„Wir werden alles daransetzen, damit wir Schulen nicht schließen“, versprach Ingola Schmitz. Vielfalt müsse erhalten bleiben – aber definitiv ohne Gesamtschule, „dann eher Verbundschule“.
Wirtz sah im demografischen Wandel sogar die Chance, bei gleichbleibender Lehrerausstattung mit deutlich reduzierten Klassenstärken nicht nur die Qualität der Schulausbildung zu steigern, sondern nebenbei dem Unterrichtsausfall – ein an diesem Abend neben dem von Cornel Kranen als Sprecher der Stadtelternschaft Jülich angeprangerten Lehrermangel ein intensiv hinterfragter Aspekt – zu begegnen. Und in einem Verbund mit einer anderen hätte auch eine kleine Hauptschule wie Titz eine Existenz.
Peter Münstermann wähnte bei der Schließung von Schulen nicht die Politik, sondern eben den demografischen Wandel am Entscheidungshebel. Ohne Kinder keine Schule, so die einfache Formel. Letztlich müsste aber Umstrukturierung nicht zur Aufgabe von Gebäuden führen. Ein Modell wie das der Gesamtschule Niederzier-Merzenich sei auch auf den Nordkreis übertragbar.
Die fast dreistündige Diskussion mit einer Fülle von Themen hatte letztlich eine Kernaussage. Die Gestaltung der Schullandschaft im Nordkreis wird eine kommunale Aufgabe sein. Die des Landtagsabgeordneten wird es sein, die Umsetzung auf Landesebene zu flankieren.
